Energieeinsparverordnung – Fluch oder Segen?

Sie sind Hausverwalter und möchten Sie sich auf die Fragen Ihrer Eigentümer zur Energieeinsparverordnung vorbereiten? Tja, dann stehen Sie vor einer schwierigen Aufgabe. Meine Recherche im Internet hat mich letztendlich mehr verwirrt als sie genutzt hat.
Denn die Aussagen sind in vielerlei Hinsicht wiedersprüchlich. Das beginnt schon beim Inkrafttreten der neuen Version. Die einen berichten, sie gelte bereits seit Anfang April, die anderen prognostizieren das Inkrafttreten für den Herbst 2009.
Grundsätzlich ist zu sagen, dass weder die Verordnung noch das Thema neu sind. Die erste Fassung gab es nämlich bereits im November 2001. Die 2. Fassung folgte im Dezember 2004. Es war allerdings erst die 3. Fassung vom Juli 2007, die im darauffolgenden Oktober tatsächlich in Kraft getreten ist. Und so tummeln sich viele verschiedene Versionen der Verordnung im Web – was für eine gewisse Verwirrung sorgt, weil man immer schauen muss, wie es denn um die Gültigkeit bestellt ist.

Und nun sollen also die Pflichten zum Energiesparen für alle Gebäude, die beheizt oder gekühlt werden müssen, noch strenger werden.
„Vermeidbare Energieverluste“ sollen unterbleiben. Dagegen ist ja eigentlich nichts einzuwenden, denn wer spart nicht gerne? Die Frage ist allerdings, wieviel zunächst investiert werden muss, um nachher sparen zu können.

Zum Heizen und zur Bereitung von Warmwasser soll in Neubauten zukünftig 30% weniger Energie benötigt werden. Bei bestehenden Gebäuden muss die Wärmedämmung um 15% besser werden.
Und im Jahr 2012 wird eine weitere Reform der Verordnung erwartet, die für Neubauten und Modernisierungen von Altbauten eine weitere Einsparung von 30% fordern soll. Die Energieeinsparung soll auch dazu führen, dass der Ausstoß von CO2 um 260 Mio Tonnen reduziert wird. Und da für das Heizen und Kühlen von Gebäuden nahezu die Hälfte der gesamten Energie verbraucht wird, muss hier ein besonders großer Hebel angesetzt werden.

Ja, die Klimakatastrophe… Da muss in der Tat jeder seinen Beitrag leisten!

Sollte man meinen…. Es gibt aber auch kritische Stimmen, die an Hand von Vergleichswerten aufzeigen wollen, dass die durchschnittlichen Temperaturen seit 1790 keinen Hinweis auf eine dauerhafte Erwärmung geben und dass der Großteil des CO2-Ausstoßes gar nicht dem Einfluß des Menschen unterliegt.
Darf man das glauben? Schön wäre es ja auf jeden Fall.

Aber schauen wir lieber mal auf die konkreten Zahlen der Energieeinsparverordnung. Da stellt sich schnell die Frage, auf was sich diese 30% oder 15% beziehen, und wieviel 30% wirklich ist. Denn 30% von viel ist mehr als 30% von wenig.

Bezugsgröße für diese Werte ist das Referenzgebäude, das in der Tabelle des Anhangs 1 definiert ist. Für die unterschiedlichen Bauteile, z.B. Wände oder Türen, sind die Werte für den Wärmedurchgangskoeffizienten angegeben. Komplexe Formeln werden da gezeigt, die eindeutig den Experten vorbehalten bleiben müssen. Und zur Ermittlung dieses Koeffizienten braucht dieser zumindest eine Wärmebildkamera und eine geeignete Software.

Wie aussagekräftig der so ermittelte Wert dann ist, steht allerdings auf einem anderen Blatt Papier. Denn auch hier findet man sehr kontroverse Meinungen.

Der Wärmedurchgangskoeffizienten gibt an, wieviel Wärme durch das Bauteil verloren geht. Allerdings soll die Feuchtigkeit des Mauerwerks Einfluß auf den Wert haben. Und wenn man Feuchtigkeit hört, kommt meist auch der Begriff „Schimmel“ ins Spiel. Packt man ein Haus in eine dicke Schicht aus Styropor, ist es vielleicht dicht. Ob das aber für das Raumklima der richtige Schritt ist, bleibt zu bezweifeln.
Die Kritiker der Verordnung zeigen unter anderem Untersuchungen, denen zufolge nicht immer ein direkter Zusammenhang zwischen der Dämmung und dem Energieverbrauch besteht. So gibt es etliche ältere Häuser, die ohne moderne Wärmedämmung auskommen, aber dennoch einen moderaten Energieverbrauch aufweisen.

Und auch der Umweltaspekt wird ins Feld geführt. Die Dämmstoffe halten nicht ewig, müssen irgendwann entsorgt werden und sind möglicherweise schon von Haus aus nicht schadstofffrei – und erst recht nicht, wenn das gedämmte Haus brennen sollte.

Viele Fragen, wenige Antworten. Der fachfremde Laie hat also einen schweren Stand. Er kann sich mangels Fachkenntnissen keine eigene Meinung bilden, sondern muss der einen oder der anderen Seite glauben. Und egal welcher Seite er glaubt, er muss die Verordnung umsetzen und sich dafür einen Fachmann besorgen. Und dem muss man glauben und vertrauen. Oder man holt mehrere Meinungen ein und läuft Gefahr, hier erneut auf Wiedersprüche zu stoßen, die man selber nicht auflösen kann.

Energie sparen und regenerative Energien nutzen ist sicher eine gute Sache. Aber ob die Energieeinsparverordnung dazu wirklich das richtige Instrument ist? Bei mir bleiben da leider so einige Zweifel und ein ungutes Gefühl im Bauch. Ich kann mich natürlich auch täuschen.

Kommentare

Als einer der wenigen Verwalter der auch Energieberater ist, halte ich die Forderungen der ENEV für umweltpolitisch sinnvoll aber kaum bezahlbar. Im privaten Bereich sind in der Regel nicht ausreichende Rücklage vorhanden.
Das aktuelle KFW Programm hilft wenig und nur bis 1.10.2009, dann kommt die ENEV 2009 und fordert nochmals 30% bessere Häuser. Die ENEV 2012 liegt schon in der Schublade und verschärft alles weiter.
Umweltpolitsich alles richtig, technisch meist anspruchsvoll, aus Sicht der Anleger/Eigentümer aber nicht wirtschaftlich. Verwalter müssen also noch mehr leisten als zuvor und begeben sich auf Neuland.
Beschlußtechnisch extrem anspruchsvoll > § 22 WEG
Auf lange Sicht sind nur energetisch sanierte Häuser wirtschaftlich zu betreiben. Das ist sicher.
Dies erkennen die meisten WE jedoch zu spät oder es mangelt einfach am lieben Gelde, das derzeit immer knapper wird.

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