Oft wird im allgemeinen Sprachgebrauch direkt vom Immobilienhai gesprochen, wenn man einen Immobilienmakler meint. Warum das so ist und ob das seine Berechtigung hat, will ich mir heute einmal ansehen.
Auf der Suche nach Daten und Fakten ist mir als erstes ein echter Immobilienhai entgegen geschwommen: eine Plattform, die Anbieter und Nachfrager kostenlos zusammenbringt. Wie erfolgreich das allerdings tatsächlich ist, lässt sich nicht ermitteln. Die letzte Zugriffsstatistik ist von 2004, die Seiten sind technisch veralteten und optisch nicht besonders ansprechend. Immerhin zeigen die Datumswerte bei den Anzeigen doch eine gewissen Aktualität, so dass davon auszugehen ist, dass die Plattform noch genutzt wird. Der gängige Vorwurf, dass Immobilienhaie mit ziemlich wenig Einsatz viel Geld verdienen, klingt in diesem Fall durchaus plausibel – auch wenn ich mir vorstellen kann, dass der Name in diesem Fall nicht als direktes Zeichen von mangelnder Seriosität gewählt wurde.
Immobilienmakler sind Dienstleister und bringen Angebot und Nachfrage im Immobilienbereich zusammen. Dafür erhalten sie eine Provision, entweder nur vom Nachfrager oder von beiden Seiten. Abgesehen von den fassbaren Aufgaben der Erstellung eines Exposés, der Schaltung von Zeitungsanzeigen, der Veröffentlichung der Angebote in Immobilienportalen und den Besichtigungsterminen vor Ort übernimmt ein guter Makler viele Aufgaben im Hintergrund. Durch seine Marktkenntnis kann er z.B. bewerten, ob die geäußerten Preisvorstellungen realistisch sind, über die Einhaltung von Gesetzen und Verordnungen informieren und die Interessenten entsprechend beraten. Das Aufgabenspektrum seriöser Immobilienmakler ist also umfangreich. Und wenn man bedenkt, dass im Durchschnitt 20 Besichtigungstermine notwendig sind, bis eine Immobilie verkauft ist, relativiert sich auch die oft als hoch betrachtete Provision – jedenfalls aus Sicht des Maklers. Für den Kunden mag es ungerecht erscheinen, dass er praktisch die nicht von Erfolg gekrönten vorausgegangenen Vermittlungsversuche des Maklers mit finanziert. Bei einer begehrten Mietwohnung kann sich der neue Mieter allerdings freuen, das „Rennen gemacht“ zu haben. Und beim Kauf einer Eigentumswohnung kann der letztendliche Käufer ja auch froh sein, dass die vorherigen Vermittlungsversuche erfolglos waren, denn sonst hätte er das Objekt nicht bekommen. Wäre es gerechter, wenn jede Besichtigung einer Immobilie kostenpflichtig wäre? Wer eine Meinung zu diesen Ideen hat, darf gerne seinen Kommentar dazu abgeben.
Was die möglichen Provisionen angeht, so sind hier gesetzlich Grenzen gesetzt. Beim Verkauf darf die Provision nur 3 bis 7 % des Verkaufspreises betragen, bei der Vermietung höchstens 2 Netto-Kaltmieten, jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer.
Berufsbild und Zulassung
In Deutschland gibt es etwa 100.000 Immobilienmakler, von denen 60% selbständig tätig sind. Das Problem der Branche ist allerdings das Fehlen von Zugangsvoraussetzungen und eines anerkannten Berufs. Wie bei der Hausverwaltung kann jeder mit einer Gewerbeanmeldung Immobilien vermitteln. Das Maklerrecht ist im BGB verankert, wäre aber im HGB wesentlich besser aufgehoben.
Zwar verschwinden etliche Immobilienmakler nach einiger Zeit wieder vom Markt, aber möglicherweise haben sie während ihrer Tätigkeit einige Vermögensschäden angerichtet und einen negativen Beitrag zum Ruf der Branche geleistet. Auch wenn der Anteil der unseriösen Makler insgesamt klein ist, müssen seriöse, gut ausgebildete Makler damit leben und darunter leiden.
Anforderungen an einen Immobilienmakler
Die Anforderungen teilen sich auf fachliche Kenntnisse und persönliche Eigenschaften auf. Ein guter Immobilienmakler muss

  • weit reichende Kenntnisse der gesetzlichen Vorschriften und Bestimmungen im Wohn- und Baurecht besitzen
  • sich auf dem Markt und in seinem regionalen Umfeld sehr gut auskennen
  • innovative und wirksame Vermarktungskonzepte entwickeln und umsetzen
  • Kontaktfreudig sein, ein gutes Kontaktnetz haben, bestehende Kontakte pflegen und neue aufbauen können
  • ein gutes Einfühlungsvermögen, Verhandlungsgeschick und Selbstbewusstsein haben
  • flexibel und zuverlässig sein
  • eine gute Kapitalbasis besitzen

Chancen
Die Vermittlung von Immobilien wird es immer geben, da es immer Leute geben wird, die umziehen, bauen oder kaufen müssen oder möchten. Der Beruf des Immobilienmaklers ist also durchaus zukunftssicher. Und wer die genannten Anforderungen erfüllt, hat bei einer seriösen Arbeitsweise gute Chancen auf einen ansprechenden Verdienst. Die Aufgaben sind vielfältig, die Arbeit wird nie langweilig, und man hat die volle Verantwortung für sein Tun.
Risiken
Da die Einnahmen des Maklers über die Provisionen gesteuert werden, ergibt sich kein regelmäßiger Einnahmefluss. Hohen Einnahmen können längere Phasen ohne Einnahmen folgen, die es durch Eigenkapital oder umsichtiges Wirtschaften auszugleichen gilt. Da die Konkurrenz groß ist, müssen sich Einsteiger auf eine längere Durststrecke einstellen. Zudem sind die Arbeitszeiten lang und ungeregelt, d.h. auch Termine am Abend oder Wochenende sind an der Tagesordnung, um berufstätigen Kunden entgegenzukommen.
Verbände
Um den Ruf der Immobilienmakler bemühen sich die Verbände. Der Begriff der RDM-Maklers ist sicher bekannt. Allerdings hat sich der Ring Deutscher Makler (RDM) im Jahr 2004 mit dem Verband Deutscher Makler (VDM) zum Immobilienverband Deutschland (IVD), dem Bundesverband der Immobilienberater, Makler, Verwalter und Sachverständigen e.V. zusammengeschlossen.
Daneben gibt es aber nach wie vor einzelne Regionalverbände des RDM, die sich der Fusion verweigert haben, da sie den Namen „Ring Deutscher Makler“ erhalten wollten.