ParkplatzDer Mensch braucht eine Wohnung, klar. Und was ist mit dem angeblich liebstes Kind der Deutschen, dem Auto? Es braucht Platz, Parkplatz – vielleicht zukünftig sogar noch mehr als bisher, wenn es aufgrund der hohen Benzinpreise vielleicht öfter mal stehen bleibt, ohne komplett wegrationalisiert zu werden. Böse Zungen (oder renommierte Verkehrsexperten) haben das Auto ja schon vom Fahr- zum Stehzeug umbenannt, weil es doch die meiste Zeit irgendwo rumsteht anstatt zu fahren. Wieder andere schlagen zur Steigerung der Bewegung der Menschheit vor, dass man bewusst weiter vom Haus weg parken solle, um wenigstens ein paar Schritte zu Fuß zu gehen. Ein vielfältiges, durchaus kontrovers zu diskutierendes Thema. Aber das Thema Parkplatz soll hier aus dem Blickwinkel der Immobilie betrachtet werden, d.h. welche Abstellmöglichkeiten für mein Auto sind mit einer Immobilie verbunden.
Parkraum zu Wohnraum
Dass ein Bauherr zum Wohnraum auch entsprechende Parkplätze zur Verfügung stellen muss, ist offiziell geregelt. Städte und Gemeinden haben in Stellplatzsatzungen festgehalten, wie viel Parkraum auf einen bestimmten Wohnraum zur Verfügung gestellt werden muss. Meist befassen sich diese Verordnungen ebenfalls mit der erforderlichen Anzahl an Stellplätzen für Läden, Gewerbeansiedlungen, Altenheime usw.
So individuell die Gemeinden, so individuell auch ihre Stellplatzordnungen bezüglich Umfang, Inhalt und Gestaltung. Ein bis zwei Parkplätze werden pro Wohnung verlangt, mal gestaffelt nach Wohnfläche, mal einheitlich, mal in ganzen Zahlen, mal in anteiligen Parkplätzen (z.B. 1,4 Parkplätze pro Wohnung, wobei dann ein halber Parkplatz rein rechnerisch zum ganzen Parkplatz wird). Teilweise sind genaue Angaben zur Grundfläche des Parkplatzes, zur maximalen Entfernung zur Wohnung und zur Gestaltung des Platzes angegeben. Eine Stellplatzordnung schreibt sogar vor, wie viele Bäume pro Stellplatz wie zu pflanzen und zu pflegen sind. Kein Wunder, dass ein einfallsreicher Karnevalist schon einen Verein zum Thema gründen wollte, um dann eine Stellplatzsitzung abzuhalten…
Diese Narren hätten sich dann sicher auch der Ausgleichszahlungen angenommen, mit denen sich der Bauherr von seiner Verpflichtung zur Schaffung von Stellplätzen freikaufen kann. Der Stadtkämmerer wird sich freuen, wenn 4- bis 5-stellige Euro-Beträge in die Kasse gespült werden. Die Höhe des Betrags hängt von der Lage bzw. Zone ab. Wie allerdings so krumme Beträge wie 4.666 EUR oder 2.147 EUR zustande kommen, das würde ich mir dann doch gerne von den „Stellplätzlern“ aus der Bütt erklären lassen…
Wer genau wissen möchte, was in seiner Stadt oder Gemeinde angesagt ist, schaut entweder im Internet nach oder wendet sich an das Bauamt.
Welche Möglichkeiten bietet nun die Praxis, das Auto unterzubringen? Ich habe 5 Möglichkeiten gefunden, die ich nach meinem subjektiven Empfinden in eine Reihenfolge der Beliebtheit gebracht habe:
Einzelgarage
Einzelgarage
Einzelgaragen sind inzwischen Luxus geworden und im Neubau meist nur noch bei Einfamilienhäusern anzutreffen. Vielleicht gibt es pro Wohnhaus mit mehreren Wohneinheiten einige wenige Einzelgaragen. Für die langen Reihen von Einzelgaragen, die man von älteren Wohneinheiten kennt, ist jedoch bei heutigen Bauprojekten kein Platz mehr. Einzelgaragen haben den Vorteil, dass das Auto sicher eingeschlossen ist und dass man auch diverse Kleinteile wie Ersatzräder, Fahrräder oder was auch immer unter Verschluss abstellen kann. Der Nachteil ist allerdings, dass man vor dem Einfahren erst anhalten, aussteigen und aufschließen muss – sofern man nicht über den Luxus einer Fernbedienung verfügt.
Tiefgarage
Tiefgarage
Tiefgaragen entbinden den Parker wie Einzelgaragen vom winterlichen Scheibe kratzen. Ansonsten kommt es drauf an, ob mit einer Tiefgarage eher mehr oder weniger Freude aufkommt. Die angenehmeren Tiefgaragen sind hell und so geräumig, dass man alle Plätze gut erreichen und verlassen kann, sowohl mit dem Auto als auch zu Fuß. Der Platzmangel zwingt aber manchen Bauherrn zum Sparen, so dass man bei einigen Tiefgaragen am besten das Auto nach dem Garagenplatz kauft oder alle Wände und Säulen schon mal vorsichtshalber abpolstert. Bei den komfortableren Tiefgaragen gibt es eine direkte Verbindung ins Haus. Bei den eher „benachteiligten“ Varianten verlässt man die Garage und muss oberirdisch – Wind und Wetter ausgesetzt – zur Haustür gehen.
Manche Tiefgaragen sind trotz Schlössern und Rolltoren nicht einbruchsicher, viele sind feucht, weil das Ablaufwasser nicht nach außerhalb abgeleitet, sondern nur zur Verdunstung gesammelt wird.
Auch bezüglich der Öffnung des Tors unterscheidet man die moderneren Vertreter, die das per Fernbedienung ermöglichen, von den älteren Varianten, in denen man zumindest die Scheibe herunterdrehen muss, um den Schlüssel ins Schloss zu stecken.
Carport
Carport – ein Hafen für das Auto, wenn man englisch und französisch denkt- ist nicht gleich Carport. Es gibt sie für ein Auto oder für mehrere, sie können rund herum offen, an der Stirnseite, an zwei oder drei Seiten geschlossen sein. Sie können frei stehen oder an das Haus angeschlossen sein. Für das Fahrzeug gilt ein Carport sogar als günstiger als die Garage: Bei witterungsgerechter Aufstellung schützt ein Carport genau wie eine Garage vor Wärme und Nässe, lässt aber gleichzeitig die Luft besser zirkulieren, so dass ein nasses Fahrzeug schneller trocknet. Carports sind preisgünstiger als Garagen, und bei entsprechender handwerklicher Begabung kann man sogar mit einem Bausatz selber zum Carport-Bauer werden. Carports können optisch sehr ansprechend sein, haben aber auch manchem Wohnungsbesitzer schon die Freude genommen, weil der Blick vom Balkon durch die Carports verbaut worden war.
Stellplatz
Der Besitzer eines eigenen Stellplatzes hat– verglichen mit dem „Laternenparker“ – eigentlich nur den Vorteil, dass er immer sicher sein kann, dass sein Parkplatz frei ist und er nicht erst lange nach einem solchen suchen und möglicherweise weiter zum Haus laufen muss. Dass es natürlich auch Zeitgenossen gibt, die sich unberechtigterweise auf fremde Stellplätze stellen, sei hier einmal ignoriert.
Duplexparker (oder Stapelparker)
Eigentlich ist die Idee ja nicht schlecht, auf der Grundfläche eines Stellplatzes 2 Autos unterzubringen, indem man sie stapelt. Das erfordert natürlich etwas mehr Raum in der Höhe, zwei Metallbühnen und einen Elektromotor, damit wahlweise das oben oder das unten stehende Auto herein- oder heraus fahren kann. Aber gerade diese Konstruktion ist oft Quelle des Ärgers bei den Benutzern, denn die Platzverhältnisse sind sowohl in Höhe und Breite für Mensch und Auto immer begrenzt. Dazu kommt immer eine 50 %-ige Wahrscheinlichkeit, dass man die Bühne erst verschieben muss, bevor man rein- oder rausfahren kann. Bleibt nur zu hoffen, dass es nie zu einem Stromausfall oder einer anderen Panne kommt und das Auto dann nur noch per Handbetrieb in die richtige Position gekurbelt werden kann.
(Fotos: Pixelio, Fotografen von oben nach unten: G. Schoenemann, H. Hering, magicpen)